Pfarrei Barbing
1. Geschichte der Pfarrei Barbing
Die Pfarrei Sankt Martin in Barbing wurde erst im Jahr 1959 kanonisch errichtet.
Die Geschichte der Kirchengemeinde reicht jedoch weit in das Mittelalter zurück.
Urkundlich erwähnt ist der Ort Barbing nach bisherigen Forschungsergebnissen
erstmals um 790 n. Chr. in einem Güterverzeichnis des Klosters Niederalteich.
Ausgrabungen in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts haben bewiesen, dass schon
in der Zeit um 800 n. Chr westlich der heutigen Ortsmitte eine Holzkirche und eine
umliegende Begräbnisstätte bestanden haben.
Historisch gesichert ist, dass die Kirchengemeinde St. Martin in Barbing im Jahr
1438 eine selbstständige Expositur der Dompfarrei St. Ulrich in Regensburg
gewesen ist. Sie wurde bis 1824 von einem Domvikar von Regensburg aus
seelsorglich betreut. In den Visitationsprotokollen und Pfarrverzeichnissen vom 17.
bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ist Barbing als selbstständige Pfarrei geführt,
die dem Domkapitel unterstellt war. Die Seelsorger bezeichneten sich als
Pfarrprovisoren.
Barbing verlor bei der Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse
nach der Säkularisation den rechtlich nicht verliehenen Status einer Pfarrei und
wurde 1825 eine Filiale der neu errichteten Pfarrei Sarching. Zur seelsorglichen
Betreuung der Barbinger wurde der Pfarrei Sarching ein Kooperator zugeteilt, für
dessen Unterhalt der Staat einen Zuschuss leistete. 100 Jahre später, das heißt 1925,
erhielt der damalige Kooperator Lorenz Speckner die Erlaubnis, in Barbing zu
wohnen. Das war der Wiederbeginn der "Expositur Barbing".
Lorenz Speckner
wirkte bis 1938 in Barbing, ihm folgten die "Exponierten Kooperatoren" Alfred
Knott (bis 1943) und Johann Kraus. 1947 wurde Barbing zur Pfarrkuratie und am 1.
Oktober 1959 zur Pfarrei St. Martin erhoben.
Johann Kraus blieb als erster ordinierter Pfarrer bis zu seinem Tod im Dezember
1969 in Barbing. Sein Nachfolger Johann Rohrmeier wirkte vom 1.3.1971 bis zu
seiner Ruhestandsversetzung im Jahr 2000 als Pfarrer in Barbing.
Am 1. September 2000 übernahm der jetzige Pfarrer Dr. Werner Konrad die Seelsorge für
die Pfarrei.
Der Pfarrhof von Barbing wurde 1925 von der Gemeinde Barbing erbaut. Er wurde während des Baus von der Kirchenstiftung Barbing käuflich erworben und fertig gestellt. Im Erdgeschoss befindet sich das Pfarrbüro.
Zur Pfarrei Barbing, Gemeinde Barbing, gehört außer der Pfarrkirche St. Martin
seit jeher die Nebenkirche "Beatae Mariae Virginis" in Irl. Außerdem ist der Pfarrei
die restaurierte Kreuzhofkapelle St. Ägidius am Kreuzhof zur Nutzung überlassen.
Die beiden Ortschaften Irl und Kreuzhof sind mit den Kirchen 1978 in die Stadt
Regensburg eingemeindet worden.
2. Die Pfarrkirche St. Martin in Barbing
Baugeschichte:
Die Pfarrkirche St. Martin besteht aus zwei Bauteilen aus
unterschiedlichen Jahrhunderten. Im Jahr 1733 musste eine kleinere gotische
Kirche einem barocken Neubau mit drei Fensterachsen und einem Ostturrn mit
Kuppeldach weichen. Dieser Barockbau bildet heute den vorderen östlichen Teil
der Pfarrkirche.Vom gotischen Vorgängerbau ist der Ostchor erhalten geblieben
und als Chorgewölbe in den Neubau einbezogen worden.
Das Anwachsen der Einwohnerzahl von Barbing im frühen 20. Jahrhundert erforderte einen größeren
Kirchenraum. Deshalb wurde in den Jahren 1935/36 die bestehende Barockkirche
nach Westen hin durch einen 15 m langen, höheren und breiteren Anbau mit
ebenfalls drei Fensterachsen erweitert. Der Eingang wurde dabei vom Westen auf
die Südseite verlegt.
Bei der Innenrenovierung der Kirche im Jahr 1978 gelang es, dem gesamten
Kirchenraum durch eine Stuckdecke ein einheitliches Aussehen zu verleihen.
Ausstattung:
Die Barockkirche wurde im frühen 18. Jahrhundert mit drei holzgeschnitzten
Altären, nämlich einem schmalen Hochaltar und zwei Seitenaltären ausgestattet.
Den Chorraum beherrscht heute der im Barockstil geschnitzte Aufbau des
Hochaltars mit dem Tabernakel und dem Gemälde des Kirchenpatrons St. Martin
im Altarblatt.
Darüber befindet sich ein kleineres Gemälde mit der"Krönung
Mariens". Die beiden seitlichen Figuren stellen vermutlich die beiden
Apostelfürsten Petrus und Paulus dar.
Im Mittelpunkt des Seitenaltars auf der Südseite steht eine Skulptur des gegeißelten
Jesus, dem "leidenden Heiland am Stock". Den Marienaltar auf der Nordseite ziert
eine geschnitzte Figur der Jungfrau Maria.
Die Namen der Künstler sind nicht bekannt, es waren wohl einheimische Handwerksmeister, die den Altaraufbau und
die Figuren geschaffen haben. Aus früherer Zeit stammen der Taufstein und die
geschnitzten Stuhlwangen an den Kirchenbänken.
Nach den liturgischen Regeln des II. Vatikanums wurde nach 1970 der "Volksaltar" aufgestellt.
1846 erhielt die Kirche wohl erstmals eine kleine Orgel, die auf der Empore an der
Westseite aufgestellt war.
Erst 1949 wurde das kleine Werk von 1846 durch eine
neue größere Orgel abgelöst, die allerdings wenig dauerhaft war, so dass zu Beginn
des 21. Jahrhunderts wieder ein Orgelneubau notwendig wurde, der 2007 realisiert
werden konnte.
3. Die Kirche "Beatae Mariae Virginis" in Irl
Bauwerk: Die Nebenkirche Beatae Mariae Virginis in Irl ist in ihrer derzeitigen Gestalt in der Mitte
des 18. Jahrhunderts unter dem damaligen Domvikar und Barbinger Pfarrprovisor Johann Michael
Scherbauer neu gebaut und im August 1759 neu konsekriert worden. Es handelt sich um einen
kleinen Barockbau mit Ostturm und Kuppeldach. Vom Vorgängerbau ist ein gotisches
Kreuzrippengewölbe erhalten; es wurde in den Altarraum integriert.
Der Bau von 1750 ist nicht das erste Gotteshaus in Irl. Vielmehr bestand vor
dieser Zeit schon Jahrhunderte lang in Irl ein Marienheiligtum. Dieses war im Jahr 1584 "wegen
ihres Alters halb verfallen gewesen" und wurde vom Domkapitel des Bistums Regensburg
grundlegend restauriert, wie eine Steintafel beschreibt, die über dem Eingang des jetzigen
Kirchengebäudes eingemauert ist.
Ausstattung: Aus der Zeit um 1750 stammen sowohl die Ausstattung des Gotteshauses mit drei
Altären und die Ausmalung der Wände und Decke. Die Wandmalereien sind jedoch erst bei der
Restaurierung in den Jahren 1997 bis 1998 wieder aufgedeckt worden.
Am Hochaltar thront eine holzgeschnitzte Muttergottes mit Kind. Die Statue ist entweder ein
spätgotisches Kunstwerk oder ist in der Barockzeit im spätgotischen Stil nachgebildet worden.
Über der Marienfigur ist ein barockes Schnitzwerk mit der Heiligsten Dreifaltigkeit angebracht.
Der rechte Seitenaltar mit der geschnitzten Figur des Johannes Nepomuk enthält im oberen Blatt das
Wappen der Grafen von Lerchenfeld, im linken Seitenaltar besteht das Altarblatt aus einem
Gemälde mit einer Szene aus dem Leben des Heiligen Franx Xaver.
In die Kanzel, einem "eleganten Rokokowerk", ist ein Relief mit Bildern aus dem Gleichnis Jesu vom Sämann
eingearbeitet. Die Herkunft der Rosenkranzmadonna, die von der Decke hängt, ist nicht geklärt.
Die Wand- und Deckenmalereien im Rokokostil zeigen ein liebliches Rosenmuster,
das auch in den Apostelkreuzen wiederkehrt.
Ein beachtenswertes Deckengemälde zeigt Mariä Himmelfahrt. Manche Kunsthistoriker schreiben
das Deckengemälde dem Künstler Gebhard von Prüfening oder seiner Schule zu; ein Beweis wurde
bisher nicht gefunden.Gemalte Szenen aus dem Marienleben zieren auch die Brüstung der Empore.
Nutzung: Die schmucke Kirche mit ihren kostbaren Malereien wird gern als Trauungskirche und
als Andachtsort genutzt; die Pfarrei Barbing hält regelmäßig einmal im Monat dort einen
Gottesdienst.
4. Die Kreuzhofkirche in Oberbarbing
Bauwerk: Bei der Kapelle handelt es sich um einen romanischen Bau aus der Mitte des 12.
Jahrhunderts. Auffallend ist ihre außergewöhnliche Höhe. Sie besitzt ein profanes Obergeschoß, das
damals als Herberge und Zufluchtsstätte diente und von außen über eine schmale Steintreppe
erreicht werden konnte.
Die Kapelle ist "in sorgfaltiger Mauertechnik" aus Sandsteinquadern errichtet, die Dicke der Mauer
beträgt 1,40 m. Aufder Ostseite ist die Apsis als Halbkugelgewölbe nach außen gezogen.
Das Langhaus setzt sich aus zwei gleich großen Jochen zusammen. Der Altarraum wird durch
einen Chorbogen abgescWossen.
Ausstattung:
Die schlichte Einrichtung stammt ausnahmslos aus unserer Zeit. Es sind ein
steinerner Altartisch, ein schmiedeeiserner ringförmiger Leuchtkörper und eine einfache
Bestuhlung. Der Besitzer, Erhalter und Restaurator der Kapelle Georg Rauchenberger hat hier mit
seiner Frau die letzte Ruhestätte gefunden. Die Grabsteine sind in den Boden eingemauert.
Geschichte:
Bedeutsam ist vor allem die Geschichte der Kreuzhofkirche
Sehr wahrscheinlich wurde die Kapelle als Eigenkirche eines adeligen Gusbesitzers errichtet und
gehörte zum zugehörigen Gutshof. Historisch gesichert ist, dass Bischof Heinrich von Regensburg
dem 1233 gegründeten Dominikanerinnenkloster Heilig Kreuz im Jahr 1278 den Gutshof in
Oberbarbing übereignet hat. Seit der Übernahme des Gutes durch die Nonnen vom Heiligen Kreuz
bürgerte sich der Name "Kreuzhof" und.Kreuzhofkapelle" ein, offiziell war immer der Name
"Gutshof Oberbarbing" gebräuchlich.
Die Kapelle ist in den Gutshof integriert und wurde von den Bediensteten des Klosters als
Gottesdienstraum benützt. Sie war nachweislich mit Altären ausgestattet und ist dem hl. Ägidius,
dem Patron der Pilger, der Hirten, der Bettler und Kreuzfahrer geweiht.
Die Kreuzhofkapelle gehörte bis 1803 zum Gutshof der Dominikanerinnen. Sie mussten Gut und
Kapelle im Zuge der Säkularisation aufgeben. Offensichtlich kümmerte sich dann niemand mehr um
die Kapelle. Als das Fürstenhaus Thurn und Taxis 1866 das Gut erwarb, war die Kapelle schon in
einem erbärmlichen Zustand. Sie diente als Abstellraum fur landwirtschaftliche Geräte und zuletzt
als Schafstall. Im H. Weltkrieg wurde die Kapelle schwer getroffen. Nach dem Krieg bemühte sich
der damalige Bezirksheimatpfleger Georg Rauchenberger um die Erhaltung der Kapelle und stellte
in mühevoller Arbeit den jetzigen Zustand her.
Nutzung: Regelmäßige Gottsdienste finden in der Kreuzhofkapelle nicht statt. Die Kirche wird
mitunter bei Trauungen, jährlich jedoch zu Maiandachten genutzt.
Hier noch ein Link:
Artikel über die Kreuzhofkapelle bei Wikipedia