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Dr. Ilse Kammerbauer verstorben – Beeindruckende Frau, die in vielen Bereichen Spuren hinterließ

Barbing. Dr. Ilse Kammerbauer hat nach langer und schwerer Krankheit am 1. Mai 2021 für immer ihre Augen geschlossen. Die weithin bekannte und geachtete Barbinger Bürgerin starb im Alter von 88 Jahren. Mit ihrer Familie und engen Freunden trauert auch die Großgemeinde Barbing um eine beeindruckende Persönlichkeit, die in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens Spuren hinterließ.

Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Fleiß, Geradlinigkeit, Zuverlässigkeit und vor allem Herzensgüte und Gottvertrauen waren Tugenden, durch die sich die Verstorbene Zeit ihres Lebens auszeichnete. „Wie’s kommt, so kommt’s und nehm‘ ich es hin. Ich bin bereit zu leben und zu sterben, wie Gott es will“, hatte Dr. Ilse Kammerbauer beim letzten Gespräch mit der Berichterstatterin im September des vergangenen Jahres gesagt. Mit Gebet und Gottvertrauen hatte Dr. Kammerbauer schon so manche Krankheit und Hürde in ihrem Leben bezwungen. Zuletzt kämpfte die frühere Lehrerin an der Regensburg Konradschule,  Hochschuldozentin, Radiosprecherin und Autorin historischer Chroniken gegen eine akute und bösartige Leukämie. Trotz ihrer schweren Diagnose war sie dennoch lebensbejahend und dankbar für Alles, ganz im Vertrauen auf Gott. Denn leicht, vor allem gesundheitlich, hatte sie es nie. Aber Gottvertrauen, Selbstbeherrschung und Willensstärke, aber auch das gewisse Quäntchen Glück haben sie auf ihrem Weg geleitet.

Mit grenzenlosem Engagement und Elan hatte sich die ehemalige Lehrerin allem gewidmet, was sie anpackte und führte es auch stets erfolgreich zu Ende. Geboren wurde Dr. Ilse Kammerbauer 1933 in Dingolfing und war das zweite von sieben Kindern, die zwischen 1931 und 1941 zur Welt kamen. Das Elternhaus und der Kindergarten, den Ilse Kammerbauer besuchte, war religiös geprägt. 1943 starb der Vater und die Mutter musste ihre sieben Kinder mit einer geringen Rente selbst versorgen. Dennoch durfte die Verstorbene damals die einzige höhere Bildungseinrichtung in Dingolfing besuchen, die jedoch aufgrund der Kriegswirren aufgelöst wurde. Danach besuchte sie die siebte und achte Klasse der Volksschule, unterrichtet von den Armen Schulschwestern. Nach dem Schulabschluss finanzierte sich Dr. Ilse Kammerbauer den weiteren Englischunterricht bei einer arbeitslosen Englischlehrerin, immer im Blick auf ihren Berufswunsch Lehrerin. Dank finanzieller Unterstützung der Großeltern besuchte sie die Lehrerinnenbildungsanstalt, die nach der Reform in eine Oberschule und später in ein Gymnasium umbenannt wurde. Eine schwere Herzerkrankung machte  erst einmal alle Pläne und Wünsche zunichte. Krank und ohne Berufsaussicht und ohne Perspektive kehrte sie heim nach Dingolfing.

Nach ihrer Gesundung nahm sie eine Stelle als Stenotypistin beim VdK-Kreisverband Dingolfing an und zwei Jahre später wechselte sie trotz wiederholter Herzattacken zum Landratsamt und war dort als Chefsekretärin des Landrats Dr. Josef Hastreiter sowie Protokollführerin bei Kreistag und Kreisausschuss tätig Ehrenamtlich übernahm sie eine Mädchengruppe der Katholischen Jugend in der Pfarrei und sang wieder im Kirchenchor, war aktiv im Kreisjugendring und Jugendwohlfahrtsausschuss des Landkreises. Und immer wieder konnte sie sich zu neuen Herausforderungen aufraffen. Beruflich legte sie die Fachprüfung II für Verwaltungsangestellte ab. Anschließend nahm sie im Blick auf den nie aufgegebenen Lehrerberuf am Fernunterricht zur Vorbereitung auf das Abitur teil. 1963 gab sie in Dingolfing alles auf und ging nach Regensburg um an der Pädagogischen Hochschule das Studium für das Lehramt an Volksschulen aufzunehmen, das sie drei Jahre später mit der ersten Lehramtsprüfung abschloss. Als Lehramtsanwärterin an der St. Klara Schule mit voller Unterrichtsverpflichtung, übte sie auch das Tutorinnenamt aus, das sie seit Studienzeiten innehatte.

Beruflich wechselte Kammerbauer 1969 an die Konradschule in Regensburg. Für Kammerbauer aber nicht genug, sie reizte ein Weiterstudium, zunächst neben den Schulverpflichtungen. Zudem war sie zur Ausbildungslehrerin für die Lehramtsstudierenden ernannt worden. 1975 bot ihr ein Professor die Stelle einer wissenschaftlichen Assistentin an. Der Regierungsschuldirektor lockte zum Verbleib mit einer Stelle als Seminarleiterin. Sie entschied sich für die Universität um das Studium zu beenden. 1980 promovierte sie in den Fächern Politische Wissenschaft und Geschichte und erhielt 1981 die Anstellung als Studienrätin und unterrichtete bis zur Pensionierung Didaktik der Sozialkunde und Arbeitslehre und war in der Studienberatung tätig. Musikalisch war sie eingebunden in den Regensburger Chorkreis und übte nebenbei zahlreiche Ehrenämter in der Diözese Regensburg  aus. Das neue Jahrtausend brachte für Dr. Kammerbauer, deren Leben selbst durch einige und schwere Krankheiten geprägt wurde, viele einschneidende Ereignisse. Es starben innerhalb von acht Jahren drei Geschwister und eine Schwägerin, die Mutter, die bei ihr wohnte wurde zum Pflegefall und wurde bis zu ihrem Tod von ihr liebevoll gepflegt.

Eigene Kinder hatte Dr. Ilse Kammerbauer nicht, dafür aber Nichten und Neffen und nicht zuletzt Hunderte von Schülerinnen und Schülern, die durch die Hände dieser liebevollen Lehrerin gegangen sind. Als Lehrerin und Dozentin motivierte sie auch stets andere dazu, mehr zu erreichen. Noch heute zählen ehemalige Schülerinnen, Schüler und Studenten und nicht zuletzt Kolleginnen wie Schulamtsdirektorin Sieglinde Glaab oder Universitätsprofessorin  Dr. Maria-Anna Bäuml-Roßnagl zu ihren Wegbegleitern und engsten Freunden. Zwischen 1989 und 1999 hat Dr. Ilse Kammerbauer in der Sendung „Auf ein Wort“ beim Bayerischen Rundfunk  „Gedanken zum Nach-Denken“ gesprochen. Die Übertragung lief täglich kurz vor 23 Uhr auf Bayern 3 und wurde vor allem von vielen jungen Leuten gerne gehört. Die meisten Texte kamen aus tiefster Seele. Im Februar 2012 ließ sie ihre im Rundfunk gesprochenen Texte auf eigene Kosten in einem Buch zusammenfassen. Die Texte widmete sie allen ehemaligen Schülerinnen und Schülern, Studenten, Kollegen und Freunden, die sie durchs Leben begleiteten. Ihre Freundin Universitätsprofessorin Dr. Maria-Anna Bäuml-Roßnagl hat für das Buch passende Bilder  zur Verfügung gestellt.

Nach ihrer Pensionierung zog es Dr. Ilse Kammerbauer wieder in die Geschichts- und Archivarbeit. Sie erforschte die wechselvolle Geschichte der Pfarrei Barbing, die ihr seit 1971 Heimat geworden ist und veröffentlichte 1999 eine Broschüre  „Pfarrei Barbing – Geschichte und Gegenwart“. Von 2011 bis 2013 arbeitete sie an der Veröffentlichung der Barbinger Schlossgeschichte und 2017 edierte sie die Geschichte der Ägidiuskirche am Kreuzhof. Mit dem Tod von Dr. Ilse Kammerbauer hat sich ein Buch mit vielen Seiten und 88 Jahren Geschichte geschlossen, doch daraus kann man auch viel lernen: Wer den Glauben und seine Berufung wie Dr. Ilse Kammerbauer lebt und das mit Leib und Seele, verfügt auch über besondere Tugenden und schmeißt nicht gleich die Flinte ins Korn, sondern findet Lösungen, auch wenn Umwege nötig sind. Um es mit den Worten von Paul Èluard zu sagen: Der Tod ist nie endgültig. Es gibt immer die Erinnerung an ein großzügiges Herz, an offene Hände, an wache Augen und an das Leben. ©Christine Kroschinski